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Verursacht der Schaumstoff auf Stativen Verfärbungen des Nitrolackes meiner Gitarre?

Dieser Artikel erklärt was Nitrolack ist, wie sie erkennen können ob ihre Gitarre mit Nitrolack behandelt worden ist, sowie welche Vor- und Nachteile er im Gitarrenbau bringt. Außerdem erklären wir was sie bei der Verwendung mit Gitarrenständern beachten sollten. Weil das sicher die meisten Gitarristen interessiert fangen wir damit direkt an:

Gitarren auf einem Hercules Stativ ohne Weichmacher im Schaumstoff

Viele Gitarristen fragen sich, ob der Nitrolack ihrer Gitarren mit den Schaumstoffen der Ständer reagiert. Sie befürchten, dass dadurch unschöne Verfärbungen den Wert der Gitarren schmälern oder das Instrument schädigen.

Dieser oft beobachtete Effekt wird durch den Weichmacher verursacht, der vor allem im Schaumstoff von billigen Stativen verwendet wird. Arcyl-, Polyurethan- oder Polyesterlacke sind gegen den Einfluß von Weichmachern immun.

Nur bei Nitrolacken kann es zur beschriebenen Reaktion kommen. Das liegt an den speziellen Eigenschaften dieses Lackes, die weiter unten im Text erklärt werden. Grundsätzlich gilt: Weichmacher wirken im Prinzip wie Verdünner. Das führt dazu, dass der vormals ausgehärtete Lack wieder verflüssigt.

Die Schaumstoffe der Hercules Stative enthalten keinen Weichmacher. Durch viele Stunden Dauereinsatz auf Bühne, in Gitarrengeschäften, bei namhaften Gitarrenherstellern und Musikmessen wissen wir, dass bisher keine Gitarren durch unsere Stative beschädigt wurden.

Dennoch können wir keine rechtsverbindliche Garantie geben, da jeder Hersteller eine eigene Zusammensetzung von Nitrozellulose verwendet; mit unterschiedlichsten Anteilen der beteiligten Chemikalien. Es gibt buchstäblich Tausende von Lackvarianten, wodurch es unmöglich ist alle zu testen. Deshalb empfehlen wir Ihnen: wenden Sie sich im Zweifel an den Hersteller Ihres Instruments. Er wird Ihnen sicher weiterhelfen können.  

Zur Sicherheit können Sie ein Tuch aus Naturfaser, z. B. Baumwolle oder Seide, über das Stativ legen. Auf diese Weise verhindern Sie, dass der Nitrolack mit dem Schaumstoff direkten Kontakt hat. 

Was ist überhaupt Nitrolack?

Nitrolack ist ein hochwertiger Einkomponenten-Lack der früher unter anderem in der Autoindustrie und heute noch bei der Herstellung von Musikinstrumenten verwendet wird.

Der vollständige Name lautet eigentlich Nitrozelluloselack. Dieser besteht grundsätzlich aus Nitroverdünnung (flüssiger Anteil) und Zellulose (Feststoffanteil).

Nach dem Auftragen des Lackes verdunstet mit der Zeit die Verdünnung und der Feststoffanteil bleibt auf der behandelten Oberfläche zurück. Nach der Erfahrung mancher Gitarrenhersteller gilt als Faustregel, dass dieser Prozeß bis zu 7 Jahre dauert.

Das Prinzip kennen Sie vielleicht von Wasserfarben zum Malen. Dort ist der flüssige Anteil das Wasser und der feste Anteil sind die Farbpigmente. Auch hier bleiben die Farbpigmente auf der Oberfläche zurück, wenn das Wasser verdunstet ist. Mit frischem Wasser kann man die Pigmente im Nachhinein wieder verwischen. Was in der Kunst als Stilmittel verwendet wird, soll bei teuren Gitrarren natürlich auf jeden Fall verhindert werden.

Der Nitrolack von heute ist aber nicht mehr mit denen aus den 1950ern zu vergleichen.

Aufgrund der Gefahren bei der Verwendung von Nitrolack ist heutzutage weltweit nur noch die Verwendung sogenannter DD-Nitrokomponentenlacke erlaubt. Das sind Mischlacke, die den ursprünglichen Nitrolacken klanglich nicht das Wasser reichen können, aber nach wie vor sehr aufwändig zu verarbeiten sind. Daher verzichten die meisten Hersteller ganz darauf und verwenden modernere Lackmischungen (z. B. eine Kombination aus Polyesther- und Polyurethanlacken).

DD-Nitrokomponentenlacke findet man höchstens noch bei Vintage-Instrumenten bzw. Replikas, die im Original nitro-lackiert waren. Klingt dann so, als ob sie auch heute noch aus demselben Lack wären, aber wie oben beschrieben ist dem nicht so.

Welche Vorteile hat Nitrolack beim Instrumentenbau?

Weil man Nitrolack dünn auftragen kann, verwenden ihn insbesondere Hersteller akustischer Gitarren. Es geht um das Prinzip: Je dünner die Lackschicht, desto besser kann das Holz schwingen. Denn gerade in diesem Bereich des Instrumentenbaus spielen die Eigenschaften der verschiedenen Klanghölzer eine wichtige Rolle. Hierbei wird versucht einen guten Kompromiss zwischen schützender Lackschicht und der Beinträchtigung der Klangeigenschaften zu erreichen.

Nitrozelluloselack läßt sich sehr dünn auftragen [und] eignet sich deswegen besondes gut für [... Musikinstrumente]. Die dünne Lackschicht bewirkt eine sehr geringe Dämpfung der Decke und des Bodens [...].

Nachteilig ist der hohe Arbeitsaufwand, um die Lackschicht aufzubauen. Wegen des geringen Feststoffanteils des Lackes sind viele Schichten aufzutragen, die öfters zwischengeschliffen werden müssen, um eine einheitliche Lackschicht zu erreichen. Dadurch ergibt sich der Aufpreis bei Nitrozelluloselack.

Nitrozellulose altert relativ schnell, was bei Instrumenten den schönen Gilb-Effekt, [...] [bzw.] „Aging“, hervorruft und die Holzstruktur vorteilhaft wirken läßt. (http://www.sonntag-guitars.com/deutsch/Archtops/Lackierung.html)

Woran erkenne ich Nitrolack auf meiner Gitarre?
Woran erkenne ich Nitrolack auf meiner Gitarre?

Woran erkenne ich Nitrolack auf meiner Gitarre?

Es gibt einen einfachen und sicheren Weg zu erkennen, ob Ihre Gitarre mit Nitrolack lackiert wurde. Fragen Sie den Hersteller Ihres Instrumentes. Anhand der Seriennummer kann dieser leicht nachvollziehen, welche Materialien bei der Herstellung verwendet wurden.

Nitrozelluloselack lässt sich nämlich auf den ersten Blick nicht unbedingt erkennen. Hinzu kommt, dass die meisten neueren Gitarren überhaupt nicht mehr mit Nitrolack behandelt werden. Um wirklich sicher zu gehen, wird manchmal empfohlen mit einem in Lösungsmittel getränktem Wattestäbchen an einer unauffälligen Stelle zu testen. Von dieser Methode raten wir unbedingt ab.

Welche Hersteller verwenden heute noch Nitrozellulose?

Die meisten großen Hersteller verwenden gegenwärtig keine Nitrozellulose mehr. Aufgrund moderner Lackiertechniken können die Nachteile von Polyester-, Polyurethan- und Acryllack verringert werden.

Dennoch gibt es auch heute noch Hersteller, die von den Vorteilen des Nitrolackes überzeugt sind und ihn bei vielen Instrumeten verwenden. Hierzu gehören z. B. Gibson, Fender und Martin, die diesen Lack noch benutzen. Auch bei vielen kleinen Herstellern und Custom Shops werden nach wie vor Gitarren mit Nitrozellulose angefertigt.

Alle Hercules Stative sind weichmacherfrei. Hier eine kleine Auswahl: